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DIE LETZTEN TAGE DER WIENER BEHÖRDE 8. Akt

Diese Stadt ist anders!

A DEMOKRATISCHE ZEITUNG

 

Personen:

Eine Sekretärin

Eine zweite Dame

Nikolaus Winterfroren, Mitbegründer und Seele der Straßenzeitung Augustin

Das Kollektiv der Redaktion: Zeitungsverkäufer, Buchhalter, Journalisten, Bettler, Putzfrauen, einige bunte, sympathische Nichtstuer

Ein Mitarbeiter des Rathauses von Anderswo – Büro für besondere Angelegenheiten

 

Ort:

Ein verrauchtes Zimmer in der Redaktion der Straßenzeitung Augustin. Die Fenster gehen ebenerdig auf einen dunklen Hof. Eine junge Dame sitzt rauchend vor der Telefonvermittlung, nimmt ab und zu ein Schluck aus einer Dose Red Bull und plaudert mit einer anderen, ebenfalls rauchenden Dame, die einen Minispiegel in der Hand hält und sich fieberhaft schminkt. Beide Damen sind umwölkt von dichtem, stickendem Zigarettenrauch.

 

Zeit:

Ein Viertel Stunde vor Redaktionsschluss.

 

 

Sekretärin – Du Glückliche! Und hat er Geld, dein neuer Freund?

 

Zweite Dame – (mit Stolz) Jede Menge. Und er mag exotische Dinge! Du, geschtern hat er mir versprochen, er wird mich zu Fasching zum Fest im Rathaus bringen! Im großen Festsaal!

 

Sekretärin –Wie süß! (tief seufzend, den letzten Schluck aus der Red Bull Dose schluckend) So einen Mann brauch i auch.

 

Das Telefon der Redaktion läutet.

 

Sekretärin – (sie hebt ab) Augustin, Guten Tag. Wie bitte? Mit wem wollen‘s sprechen? Mit dem Chef des Vertriebes? Ha ha ha ha, sehr amüsant. Wir hoben nur Strassenverkäufer, mein Herr, wir san a Strassenzeitung. Wie? Sie wolln sprechen mit dem Chefredakteur? Nein, unmöglich. Bei uns sind viele Journalisten, oba kan Chefredakteur. Hier hamma a Kollektiv und was das Kollektiv sogt is Gesetz, olles wird kollektiv verhandelt, die Artikel und so weiter, wir san a demokratische Zeitung bitteschön. Wie bitte? Wer san Sie? Büro besondere Angelegenheiten vom Rathaus? (seufzt und atmet ein, dann ruft sie laut) Nikolaaaaaaaus! Hörscht du mi? A Herr vom Rathaus für di! (deckt das Telefon mit einer Hand und flüstert der Freundin zu) Mein Gott das heißt sicher schlechte Nachrichten!

 

Zweite Dame – Wer ist der Trottel am Apparat?

 

Sekretärin – Das Büro besondere Angelegenheiten vom Rathaus. Weißt, diejenigen, die die schmutzigen Arbeiten für die Stadt Anderswo erledigen.

 

Nikolaus Winterfroren betritt das Zimmer, schwitzend und höchst aufgeregt, ihm fällt die kaputte, mit Klebeband schlecht zusammengehaltene Brille fast von der Nase .

 

Winterfroren – Wo ist der Anruf?

 

Sekretärin – Bei mir wie immer.

 

Winterfroren – I mein´, gib mir den Anruf in mein Zimmer.

 

Sekretärin – Hast Du vergessen? Die Vermittlung ist schon lange kaputt, das Gerät ist hin!

 

Winterfroren – Scheiße, das hatt i vergessen. (nimmt das Telefon in die Hand und spricht unfreundlich) Hallo, Winterfroren spricht. Was wollen Sie? Ich hab bitte kane Zeit, jetz hamma Redaktionsschluss.

 

Zwei weitere Journalisten kommen herein, hören neugierig und besorgt zu. Alle im Zimmer sind Kettenraucher, die Sicht ist schwer beeinträchtigt, der Gestank furchtbar.

 

Winterfroren – Ja, die Geschichte der zwei Buchautoren aus Italien, Monaldi & Sorti. Die Hausbau-Farce, ja. Die haben wir publiziert, stimmt. Wir machen weiter und wir san ganz stolz drauf. Es is unglaublich, wie korrupt diese Stadt is. Die Geschichte der zwei Italiener zeigt, dass die Baupolizei ein Sumpf is, und dass… Wie bitte? Sie möchten, dass wir mit der Serie aufhören? (lacht) Ha ha ha ha ha! Das is eh a Frechheit! Nein, das können Sie vergessen. Wir san a demokratische Zeitung, und unser Kollektiv hat beschlossen, dass wir diesen Skandal in die Öffentlichkeit bringen. Wie bitte? (Winterfroren wird plötzlich blass und sitzt langsam auf einem Sessel) A Momentl, i muss die Sache mit dem Kollektiv besprechen (deckt mit der Hand das Telefon).

 

Winterfroren nimmt ein Glöckchen aus der Tasche und klingelt laut damit.

 

Sekretärin – (ruft laut) Kollektiiiiv! Versammlung vom Kollektiv!

 

Weitere  Journalisten der Zeitung, Straßenverkäufer, Buchhalter, Putzkräfte, Bettler, einige bunte und sympathische Nichtstuer stürzen ins Zimmer. Alle rauchen.

 

Vierter Journalist – Was ist los?

 

Fünfter Journalist – Seid Ihr alle depp oder wos? Eine Versammlung 10 Minuten vorm Redaktionsschluss?

 

Winterfroren – Ich hab am Telefon das Büro für besondere Angelegenheiten vom Rathaus. Die wollen, dass wir mit der Serie über den Fall Monaldi & Sorti aufhören. Wir müssen den 6. Teil absagen.

 

Dritter Journalist – Lächerliche Forderung. Hamma erst den 5. Teil von Monaldi & Sorti veröffentlicht und dazu auch noch unterstrichen, dass man im Internet die vorigen Teile noch finden kann. Die Serie über die Raiffeisenbank hat die 49. Folge erreicht, die Serie übers Rollstuhlfahren die 201. Folge.

 

Winterfroren – (noch immer mit dem Telefon in der Hand) Ja, das weiss i schon, aber die vom Rathaus wollen un-be-dingt, dass wir den 6. Teil von Monaldi & Sorti streichen und mit der Serie aufhören. Schluss.

 

Dritter Journalist – Der 6. Teil von Monaldi & Sorti ist aber schon in der nächsten Ausgabe! Und in 10 Minuten ist Redaktionsschluss! Die Zeitung geht in den Druck! Es geht nicht anders!

 

Winterfroren – Ja aber die sogen, dass unsere Verkäufer nicht angemeldet sind.

 

Dritter Journalist – Stimmt das?

 

Winterfroren – Ich… i weiß nicht mehr, ob es stimmt. Mein Gott wos für ein Mief in diesem Zimmer, mag jemand bitte das verdammte Fenster aufmachen.

 

Zweiter Journalist – Natürlich stimmt´s. Wir alle wissen es. Viele unserer Verkäufer san in Österreich ganz illegal. Kan Reisepass, ka Visum, ka Asyl, nix. Wenn a Kontrolle kummt, kriegma alle 200 Jahre Häf´n pro Kopf.

 

Erster Verkäufer (das Gesicht kaum sichtbar, in einen Schal gehüllt, mit starkem afrikanischen Akzent und sehr aufgeregt) – Wir sind Gasdarbaider. Wir wollen nur Zeitung vergaufen. Wir sbrechen alle sehr gut Deutsch, wir sinda gooda Leuta!

 

Zweiter Verkäufer (sehr aufgeregt, hat auf dem Kopf einem Riesenturban, der seineAugen und fast die ganze Nase bedeckt) सन्तोषजनक है कि आने वाले समय में विश्वस्तर भाषा विकास क्षेत्र से जुड़े वैज्ञानिकों की भविष्यवाणी !

 

Winterfroren – (nervös, deckt immer noch das Telefon mit der Hand) Pssst! Leute, nicht die Fassung verlieren! Wir werden es hinkriegen, wir san a demokratische Zeitung. (wieder am Telefon) Griessda, san Sie noch da? Na gut, wir werden mit der Serie aufhören. Wie bitte? Sie wollen auch, dass wir die ersten 6 Teile von unserer Website löschen? Das hat keinen Sinn! Die ersten 5 Teile wurden auch auf´m Papier gedruckt. Die sind schon überall in Anderswo, in Wohnungen, Lokalen, Straßenbahnen, Klos, Puffs und so weiter! Wie? Sie wollen dass wir all die alten Exemplare von Augustin mit der Hausbaufarce von Monaldi & Sorti suchen und vernichten?

 

Zweiter Journalist – Irrsinnig!

 

Dritter Journalist – Absurd!

 

Zweiter Verkäufer – भविष्यवाणी !

 

 In dem kleinen Zimmer versammeln sich immer mehr Journalisten, Verkäufer, Bettler, und eine ganze Menge bunter und sympathischer  Nichtstuer. Jeder hat mindestens eine Zigarette im Mund, die Luft ist völlig verpestet.

 

Winterfroren – (immer noch am Telefon mit dem Rathaus) Was sagen Sie? Der Wohnbaustadtrat ist sehr, sehr aufgeregt wegen der Hausbaufarce und der Karikaturen? Er will unsere Zeitung zusperren lassen? Des geht mi net an, wir san a demokratische Zeitung! Wie bitte? Unsere Verkäufer sind nicht versichert? Das ganze Netz von Augustin-Verkäufern ist völlig illegal? Wir riskieren eine Megastrafe und vielleicht sogar die Verhaftung? Das weiss i selba net … Bleiben Sie kurz dran bitte. (wendet sich flüsternd mit besorgter Miene an einen Buchhalter) Du, der sogt dass unsere Verkäufer  jede zweite Nacht die Wohnung wechseln, um nicht verhaftet und abgeschoben zu werden. Der sogt a, wir werden von der Politik nur aus Gnade toleriert. Stimmt das?

 

Erster Buchhalter – Des weiß i net. (an die Verkäufer) Wos sogt ihr dazu? Wos ist es mit eurer Versicherung?

 

Erster Verkäufer – Versicherung? Ik verstehen nix davon. Ik wissen nur, eine Zeitung kosten 2,50 Euro.

 

Zweiter Verkäufer – समय में विश्व 2,5 स्रहै.

 

Erster Buchalter – Stimmt‘s, dass Ihr Verkäufer jede zweite Nacht in eine neue Wohnung einzieht?

 

Dritter Verkäufer – (mit kurdischem Akzent) Nein. Jede dritte.

 

Vierter Verkäufer – Nicht amoal. Ich jede vierte. I bin ka Junge mehr.

 

Fünfter Verkäufer – I und mein Hund hamma kane Wohnung, wir schlafen am Bahnhof.

 

Hund des fünften Verkäufers – (bejahend) Wau!

 

Zweiter Verkäufer – भविष्यवाणी !

 

Winterfroren – Na toll, i hob olles kapiert. Wie viel Exemplare mit der Hausbaufarce hamma verkauft?

 

Zweiter Buchhalter – Ich glaub, um die 25 tausend mal 6 Ausgaben, das ergibt… Hmmm… Moment amoal… 15 tausend!

 

Erster Verkäufer – Nein, 150 tausend.

 

Zweiter Verkäufer – 150 मय.

 

Eine Putzfrau – Richtig, 150 tausend.

 

Sekretärin – Genau.

 

Winterfroren – (an den zweiten Buchhalter) Du bist ka Buchhalter, Du bist a Esel. Jetzt verstehe i, warum olles in dieser Zeitung schief geht. Bitte Fenster aufmachen, hier erstickt man!

 

Erster Buchhalter – Na ja, 150 tausend.

 

Winterfroren – (versucht verzweifelt mit der Hand eine riesige, graue Wolke Zigarettenrauch von sich wegzuschieben) Also, wir müssen all diese 150 tausend Exemplare suchen und vernichten.

 

Alle andere Personen, unisono (sehr laut) – Woooooos?

 

Vierter Journalist (sehr aufgeregt) – Oba wir san a demokratische Zeitung! Warum nachgeben? Wir san kane Sklaven von dem Rathaus!

 

Ein sympathischer Nichtstuer  – (mit einem Glas Wein in der Hand) Als langjähriger Freund von dem Augustin  protestiere ich gegen diese Einflussnahme der Politik und…

 

Eine zweite Putzfrau – So was habe ich in meiner ganzen Karriere in Montenegro nie erlebt!

 

Erster Bettler – (mit pannonischem Akzent,halb kaputter Sonnenbrille und uraltem Jagdhut) Was für ein Schkandaaaal!

 

Winterfroren – Ruhe! Ruhe, hab i gsogt! (Klingelt laut mit dem Glöckchen, ignoriert aber mit Genugtuung die Kommentare der anderen und spricht schon wieder am Telefon mit dem Rathaus) Na gut, i hob kapiert. Wenn wir nicht alle gedruckten Exemplare der Hausbaufarce erwischen und vernichten, sperren sie die Zeitung zu. Die jeweiligen Behörden werden kommen und jeden Verstoß gegen das Gesetz gna-den-los bestrafen, egal ob Asylgesetz, Arbeitsgesetz, Zeitungsgesetz und wos weiss i und so weiter, inklusiv harte Geldbußen und zwangsweise Schließung des Betriebes.  (wendet sich flüsternd an alle Anwesenden) Habt Ihr endlich amoal kapiert? (dann spricht er wieder am Telefon) Es war wirklich eine Freude, mit Ihnen am Telefon zu reden. Wie? Na klar, ab jetz san wir per Du, selbstverständlich. Ja, nächstes moal nimma a Café gemeinsam oder gemma heurigen, a bissl plaudern und a Glas Wein, sehr gerne (er legt auf und bleibt sitzend, erschöpft und nachdenklich, auf dem Sessel. Dann flüstert er:) Was für ein Tag. Verdammte Italiener! Wer hat die Idee ghobt, Monaldi & Sorti im Augustin schreiben zu lassen?

 

Sekretärin – Des warst Du, Nikolaus.

 

Winterfroren – Wos für a Bledsinn, das hatte i vergessen.

 

Dritter Journalist – Du Nikolaus, wos machma jetzt mit der nächsten Ausgabe? Den Druck stoppen? Wir haben nur noch 2 Minuten zum Entscheiden!

 

Winterfroren – Nein, das wäre viel zu teuer. Ganz einfach: Nach dem Druck alle Exemplare aufmachen, Seite mit Monaldi & Sorti suchen, Seite rausreißen, fertig.

 

Alle in dem Zimmer, unisono – (sehr laut)Woooooos?

 

Eine Putzfrau – Das ist eine Menge Arbeit!

 

Zweiter Bettler – Viel zu viel!

 

Zweiter sympathischer Nichtstuer – A Horrorarbeit.

 

Erster Bettler – (mit pannonischem Akzent, mit halb kaputter Sonnenbrille und uraltem Jagdhut) Was für ein Schkandaaaal!

 

Erster Buchhalter – Nikolaus, das ist eine Sisyphusarbeit. Es sind 2500 Exemplare!

 

Zweite Putzfrau – Eigentlich 25000. Eine Null mehr.

 

Dritter Bettler – Richtig, 25000.

 

Sekretärin – Ganz genau.

 

Zweiter Buchhalter – Danke.

 

Winterfroren – Das interessiert mich nicht! Alle Spuren dieser zwei Typen aus Italien müssen aus dem Augustin verschwinden. Es geht um unsere Existenz! Nun zur Druckerei. Marsch! Oba net vergessen: Zeitung aufmachen, Seite mit Monaldi & Sorti suchen, rausreißen, Zeitung zumachen, fertig. Olles kloar?

 

Alle im Zimmer, unisono – Olles kloar! (ein Teil der Anwesenden begibt sich langsam und raunzend zum Ausgang).

 

Sechster Verkäufer (mit unverwechselbarem Akzent aus Mistelbach) – Oba Nikolaus, und die anderen Teile? Wos machma mit den Teilen der Hausbaufarce von 1 bis 5? Die jeweiligen Ausgaben wurden schon lange verkauft, die sind überall verstreut in der Stadt.

 

Winterfroren – Do hab i a tolle Idee ghobt. Natürlich werdet ihr Verkäufer die Ausgaben mit den Teilen 1 bis 5 überall suchen. In der U-Bahn, in den Bräunungszentren, in den Kellern, auf der Strasse, in euren Unterhosen und so weiter und so fort. Aber parallel dazu werdet Ihr die neuen Ausgaben gegen die alten anbieten. Entweder 2,5 Euro zahlen oder eine alte Ausgabe zurückgeben! Praktisch, kostenlos, benutzerfreundlich. Wir machen so weiter, bis alle noch in der Stadt befindlichen alten Ausgaben von Augustin zurückgegeben werden. A bissl mühsam, aber sicher is sicher. Kann jemand bitte das Fenster aufmachen?

 

Vierter Journalist Wir werden aber den Gewinn der nächsten Ausgaben verlieren!

 

Winterfroren – Hört bitte auf mit diesen dummen Einwänden! Da hamma a dringendes Problem zu lösn, Schluss mit dem Quatsch!

 

Sekretärin – (öffnet endlich das Fenster um das verpestete Zimmer zu lüften, aber der Zigarettenrauch gibt nicht nach. Von außen kommt kühler Wind, einige Bettler protestieren, das Fenster wird wieder zugemacht). Und wos sagma den zwei Italienern?

 

Winterfroren – I hob die beste Antwort schon parat. I werd sogen, die Serie trifft nicht den Gusto der Leserschaft, es kommen im Internet keine begeisterte Reaktionen und so weiter bla bla bla.

 

Zweiter Journalist – Und wenn die daran net glaubn?

 

Winterfroren –Ich werd ganz einfoch die Wahrheit sogen: Das Kollektiv hot so und so beschlossn und Schluss, basta. (steigt auf ein Sessel, klingelt mit dem Glöckchen um die Versammlung zu vertagen) Unser Kollektiv is unsre Stärke! Was das Kollektiv sogt is Gesetz! Wir san a demokratische Zeitung! (Applaus aller Anwesenden).

 

 

(Wird fortgesetzt)

 

 

NACHTRAG DER AUTOREN FÜR BEZWEIFELNDEN LESER

 

Der Leser dieses 8. Aktes wird sich vielleicht fragen: ist die die hier erzählte Geschichte eine reine Fiktion? Oder ist sie im Wesentlichen wahr?

 

Die Zeitung Augustin hat diese Serie ab Juni 2012 veröffentlicht. Die ersten 5 Teile wurden auf Papier und online veröffentlicht.

Da einige mächtige Wiener Politiker Gegenstand der Satire sind, haben wir uns beim Augustin erkundigt, ob die Zeitung irgendeine Schwachstelle hat, wodurch die Politik Einfluss nehmen kann. In einem vertraulichen Gespräch mit der Redaktion hat einer der Redakteure zugestanden, dass die Verkäufer grösstenteils in Österreich „nicht angemeldet bzw. völlig illegal in der Republik wohnhaft sind. Das wird in Wien toleriert, in anderen Bundesländern, z.B. in der Steiermark, nicht“.

Ganz unangemeldet hat Augustin nach Veröffentlichung des 5. Teiles angekündigt, die Hausbaufarce nur mehr online fortsetzen zu wollen. Grund der (kollektiven) Entscheidung der Redaktion sei ein „Mangel an begeisterten Reaktionen“ auf die Hausbaufarce.

Anfang Januar 2013 (also nach der online-Veröffentlichung des 6. Teiles) hat Augustin plötzlich den 6. Teil aus dem Internet ganz unbegründet gelöscht und den 7. Teil, schon übersetzt und fertig für die Veröffentlichung, gar nicht online gestellt. Erklärungen dafür sind erst nach einer Anfrage der Autoren gekommen. Es sei auch unklar, schreibt das Kollektiv, ob die im 7. Teil, den Augustin nicht veröffentlichen will, erzählte Geschichte tatsächlich passiert ist.  Insbesondere sei undenkbar, so lautet der Einwand, dass ein Beamter dieser Stadt verlangt, ein Blanko Protokoll vom Vertreter eines Bauherrn unterzeichnen zu lassen. Wir legen sofort die Beweise der Geschichte vor. Vom Kollektiv kommt aber keine Antwort, sondern ein kollektives Schweigen. Nebengrund für die nachträgliche Zensur war laut Kollektiv immer noch ein „Mangel an begeisterten Reaktionen“. Zugleich haben im Augustin andere Serien (wie eine Monsterserie über das Rollstuhlfahren) über 200 Folgen erreicht. Wir haben im Internet und auf der Webseite der Zeitung nach irgendwelchen „begeisterten Reaktionen“ der Leserschaft auf diese und andere Monsterserien (z.B. eine über Raiffeisen, bis dato mit 49 Folgen) gesucht. Vergebens.